Die Paradoxie der Öffentlichkeit (I)

Lächerlichkeiten

Wenn sich in Wien 80 Burschenschafter treffen und sich dabei selbst nostalgisch in dem Gefühl verlieren, Teil einer bedeutsamen gesellschaftlichen Bewegung zu sein, ist das nur eines: lächerlich.

Dahinter liegt die langwierige wie mühsame Umdeutung von Deckel und Schleife – vom gesellschaftlichen Prestigeobjekt zur Farce. Das Verdienst von Antifaschist_innen, die unermüdlich und konsequent offen legen was sich dahinter verbirgt, klar stellen und hinweisen. Auch aber das Verdienst einer Öffentlichkeit, die (1) sich auf den Versuch einlässt, das wahre Gesicht einer Bewegung hinter Schein und Schleier zu erkennen, (2) auf dieser Grundlage die Unvereinbarkeit der dahinter liegenden menschenverachtenden, sexistischen und faschistischen Vorstellungen mit dem eigenen Bild von Gesellschaft, Welt und Zukunft feststellt und (3) die Konsequenzen daraus zieht.

Information – Empörung – Ablehnung – und schließlich die Entlassung aus der Ernsthaftigkeit und die Überführung  in die Kuriosität.

Einerseits gut, da selbst die größten Enthusiasten ihr Relevanzsystem nur mit viel Kraft und Anstrengung gegen das gesellschaftliche werden halten können. Andererseits schlecht, weil Kuriositäten, einmal in die Freiheit der bloßen Möglichkeit entlassen, auch Empörung und Ablehnung entkommen und so am Dasein – wenn auch nur als Schauobjekt einer anderen Zeit – unbehelligt festhalten können.

Was lächerlich ist, ist nicht bedrohlich – beide verstanden als Gemütszustand und nicht als Faktizität. So erscheint die  Lächerlichkeit als gesellschaftliche Paradoxie zwischen Ablehnung und Akzeptanz, als Einbruch der Inkonsequenz in die Entwicklung des öffentlichen Bewusstseins in Form einer nostalgischen Erinnerung zur allgemeinen Belustigung.

Das aber ist Irritation und nicht Notwendigkeit. Weder Ablehnung noch Empörung sind ihrer Grundlage entzogen, sie drohen nur an öffentlichem Gewicht und sich in der Marginalität zu verlieren.

Zu Ende denken kann nur heißen, die Illusion der Lächerlichkeit nicht zu glauben – damit nicht Arbeit, Mühe und Kraft verschwendet sind, um nicht, an der letzten Konsequenz zu scheitern.

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