„Erhöhte Wachsamkeit“ – Überlegungen zur Terrorgefahr in Deutschland

Die letzten Tage haben den Internationalen Terrorismus in Deutschland präsent gemacht. Der Umgang eines jeden Einzelnen mit dem öffentlichen Raum hat sich, und sei es nur im Sinne der geforderten erhöhten Wachsamkeit, verändert. Die latente Verunsicherung droht allerdings gleichzeitig den Begriff des Terrorismus wie seinen sichtbaren Gegenpart: der bewaffneten Staatsgewalt, allein durch die Konkretisierung, zu verändern. Indem der Terrorismus sich von einer abstrakt-entfernten Bedrohung zu einer Bedrohung für mich und mein soziales Umfeld transformiert und indem die Staatsgewalt zu einer, in Form von, in unseren friedensverwöhnten Augen, schwer bewaffnet patrouillierenden Polizisten, mich und mein soziales Umfeld schützenden wird, verlieren die Begriffe ihre ursprüngliche Distanz und drängen sich jedem Einzelnen unweigerlich auf.

Dieser Prozess erscheint notwendig, unreflektiert birgt er allerdings erhebliche Gefahren. Der konkrete Bezug der Gefahr auf das eigene Leben macht die Ausdifferenzierung von Freund und Feind, im Sinne von mich schützend und mich bedrohend, sehr viel einfacher als dies unter den Bedingungen der abstrakten Begrifflichkeiten noch der Fall gewesen ist. Das Pathos des when it comes down to our security wird in Zeiten wie diesen ein für jeden nachvollziehbares und entfaltet damit seine ganze Wirkmacht. Im Angesicht der Bedrohung des je eigenen Leben erlangt der unmittelbare Wunsch nach Sicherung desselben vordersten Rang. Weil unserer Gesellschaft aber nur einen Adressaten für einen solchen Wunsch kennt, den bewaffneten Staatsapparat, ist es wenig verwunderlich, dass gerade die Verschärfung der Sicherheitslage immer mit Diskussionen um die Ausweitung der staatlichen Kontrolle und damit der Staatsgewalt als solcher einhergeht.

Das Angst hervorragend als Katalysator der staatlichen Gewalt funktioniert, hat George Orwell bereits vor langer Zeit klar gemacht. Die Kontrollmechanismen im Angesicht der Bedrohung auszuweiten ist allerdings nichts anderes, als ein affekthafter Kurzschluss indiziert durch die Sorge um das eigene Leben. Um so wichtiger ist es, trotz des direkten Bezuges der Bedrohung auf einen selbst, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich eben nicht dazu hinreißen zu lassen, die Freiheit für die Sicherheit über Bord zu werfen, zumal die Ausdehnung der Staatsgewalt keineswegs die Lösung des eigentlichen Problems darstellt. Zum einen steigert sich durch die Institutionalisierung von Kontrollmechanismen nur die Angst vor der Bedrohung zu einer permanenten, wodurch das Misstrauen innerhalb der Gesellschaft notwendig wächst, zum anderen trägt die Ausdifferenzierung des Freund-Feind Schemas und die damit verbundene Verstärkung der Abgrenzung der jeweiligen Gesellschaft zu einer anderen unweigerlich dazu bei, die eigentliche Lösung des Problems noch weiter in die Zukunft zu verschieben. Die Strukturen der pluralistischen Gesellschaft werden damit nach innen wie außen erschüttert. Gerade das aber ist, was der Internationale Terrorismus erreichen will.

Die institutionelle Manifestation der Bedrohung in Form von so genannten Schutzmechanismen ist das genaue Gegenteil des Versuches, sich der Problematik anzunehmen. Die einzige Chance im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ist, und darauf sollte gerade ein säkulares Europa insistieren, der nachhaltige intellektuelle Kampf gegen religiösen Fundamentalismus, der keine Äußerlichkeit zulässt. Auf eine solche Entwicklung kann keineswegs gehofft werden, wie es sich noch überaus hartnäckig im Bewusstsein vieler zu halten scheint, sie muss aktiv entwickelt werden. Der Pluralismus als die enorme Errungenschaft in der Entwicklung von Freiheit und Toleranz ist als Prinzip zu schützen, was letztlich nur durch seine Allgemeingültigkeit erreicht werden kann. Insofern präsentiert er sich selbst als große Aufgabe, der wir uns noch in einem umfassenden Sinn zu stellen haben.

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